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CITES
- Erfolge trotz Mängel

Zur Zeit setzt der internationale Wildlifehandel jährlich rund 30.000 Primaten, 3 bis 5 Millionen Vögel, 500 Millionen Zierfische und 100 Millionen Reptilien als Lebendtiere, 8 Millionen Kakteen, 10 Millionen Orchideen, 1.000 Tonnen Korallen, 15 Millionen Pelzfelle und 15 Millionen Reptilhäute um.

Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen konnte nicht verhindern, dass sich der weltweite Handel mit wildlebenden Tieren und Pflanzen zum Milliarden-Geschäft mit enormen Profitspannen entwickelte. Dessen Umsatz wird auf jährlich 30 Milliarden Mark geschätzt, wovon mindestens ein Viertel auf den Schwarzmarkt ("Schmuggel") entfällt. Es konnte auch nicht verhindern, dass mehr und mehr Arten in den Sog der Vernichtung geraten. Den abgefeimten Schmuggelmethoden steht es weitgehend hilflos gegenüber. Beim Schutz einiger besonders "schwieriger" Arten (z.B. Nashörner) vor der rücksichtslosen Ausbeutung hat das Übereinkommen bisher total versagt, ebenso wie bei der Einbeziehung kommerziell besonders wichtiger Artengruppen, wie z.B. Thunfische, Haie oder Tropenhölzer.

Trotz seiner Mängel hat das Washingtoner Artenschutzübereinkommen einige spektakuläre Erfolge zu verzeichnen - z.B. den Zusammenbruch der Elefantenwilderei in Afrika vor sieben Jahren. insgesamt vermochte es die Ausbeutung der weltweiten Tier- und Pflanzenwelt durch skrupellose Händler zumindest zu bremsen - ohne WA sähe es heute mit Gewißheit sehr viel schlimmer aus. Für eine Trendwende bedarf es aber noch vielen Anstrengungen und der Entschärfung einiger Grundprobleme, die zum Teil in diesem völkerrechtlichen Vertragswerk selbst angelegt sind:

  1. Das WA kann nur Arten schützen, die bereits als "gefährdet" anerkannt sind. Es muss gewissermaßen "warten", bis eine Population so weit dezimiert ist, dass zumindest eine Anhang II-Listung in Frage kommt. Deshalb geraten mehr und mehr Arten in eine ökologisch bedenkliche Lage und die Anhänge werden immer länger.
     
  2. Die Entscheidungsprozesse für Anhangsänderungen sind anfällig für die Blockade durch übergeordnete wirtschaftliche, politische und ideologische Interessen einzelner Vertragsstaaten. Selbst wenn die Gefährdung einer Art bereits offensichtlich ist, findet ein entsprechender Antrag zur Aufnahme in einen der WA-Anhänge oft nicht die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit auf der Vertragsstaatenkonferenz, oder wird auf Druck mächtiger Länder zurückgezogen.
     
  3. Dem WA fehlen Zwangsmittel zur Durchsetzung der kommerziellen Handelsverbote für die höchst gefährdeten Anhang I-Arten gegenüber Vertragsstaaten, die weiterhin solche Importe zulassen. Besonders skandalös ist die Haltung etlicher ostasiatischer Staaten, die sich noch immer weigern, Einfuhr und Vermarktung illegal beschaffter Teile von Nashörnern, Tigern, Bären oder Moschustieren konsequent zu unterbinden. Auch können sich Vertragsstaaten zu leicht von solchen Verpflichtungen "befreien", indem sie einen Vorbehalt in bezug auf bestimmte Arten einlegen. Erst 1992 zog z.B. Japan seinen seit 1981 bestehenden Vorbehalt bezüglich der Echten Karettschildkröten zurück und beendete damit die rücksichtslose Abschlachtung tausender Meeresschildkröten im indonesischen Raum.
     
  4. Die Überwachung und Beschränkung des Handels mit Anhang II-Arten obliegt aus Gründen der Wahrung von Souveränitätsrechten prinzipiell den Ursprungsländern. Sie selbst sollen die Ausfuhr von Exemplaren einer Art einschränken, sobald dies notwendig erscheint, "um diese Art in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet auf einem Stand zu erhalten, der ihrer rolle innerhalb der Ökosysteme, in denen sie vorkommt, entspricht und der erheblich über dem Stand liegt, bei dem diese Art für eine Aufnahme in Anhang I in Frage käme". Diese Verpflichtung gilt auch heute noch als fortschrittlich und als Kernstück des WA überhaupt, weil sie das sogenannte Vorsorge-Prinzip verankert. Leider ist sie bis heute weithin mißachtet worden und man kann deshalb sogar sagen, das WA werde in seinem wichtigsten Punkt bislang überhaupt noch nicht angewendet! In den meisten Wildlife-Exportstaaten fehlt der politische Wille, diese Verpflichtung umzusetzen, und gerade die armen Drittwelt-Länder verfügen nicht über die enormen personellen und finanziellen Mittel, die für eine solch aufwendige Bestands- und Handelsüberwachung auf der Ebene ökologischer Kriterien erforderlich wären.
     
  5. Das WA kann nur den grenzüberschreitenden Handel mit geschützten Arten regeln, gegenüber der oft ebenso rücksichtslosen Vermarktung vieler Arten innerhalb der Grenzen eines Landes ist es machtlos. Weder gegen die üble Meeresschildkröten-Schlächterei auf Bali, noch gegen die haarsträubenden Zustände auf Lebendtiermärkten in vielen asiatischen, afrikanischen und lateinamerikanischen Ländern oder gegen die ökologisch unsinnigen Schlachtprogramme für angeblich überzählige Elefanten ("Culling") in manchen südafrikanischen Staaten kann es einschreiten.
Für diese "eingebauten" Hemmnisse müssen baldmöglichst Lösungen gefunden werden. Einige sind schon auf dem Weg, haben aber mit heiklen zwischenstaatlichen Akzeptanzproblemen zu ringen. Alle Verbesserungen müssen auf diplomatischer Ebene ausgehandelt werden, woraus sich die oft entnervende Schwerfälligkeit des WA bei der Bewältigung selbst der dringlichsten Anliegen erklärt.

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